Novaesium, alias Neuss

Hypokausten
Hypokaustum [griech. »von unten beheizt«], römische Warmluftbeheizung von Wasserbassins, Fußböden und Wänden, zuerst von Baderäumen öffentlicher Thermen (Pompei, Stabianer Thermen), dann von Privathäusern und militärischen Anlagen insbesondere in den nördlichen Provinzen bis England. Gewöhnlich wurde nur ein Raum pro Haus mit Hypokausten ausgestattet. Zwischen einem Unterboden und den von Pfeilerchen (10-20 cm Seitenlänge, 50-120 cm Höhe) getragenen eigentlichem Boden wurden vom Heizraum (praefurnium) aus die heißen Abgase eines Holz- oder Holzkohlenfeuers durchgeleitet, oft auch noch mittels vertikaler Reihen von Hohlziegeln in den Wänden hochgeführt, ehe sie durch Öffnungen ins Freie abzogen. Die Strahlungswärme konnte mit Warmluftheizung kombiniert werden. Die Hypokaustenheizung wurde angeblich von C. Sergius Orata Anfang des 1. Jhs. v. Chr. zur Bassinbeheizung seiner Austern- und Fischzuchtanlagen erfunden; in dieser Zeit ist sie auch in Griechenland bekannt (Bad von Olympia, 4. Bauphase).

Quelle: H. Brunner - K. Fessel - F. Hiller (Hrsg.), Lexikon Alte Kulturen 2 (Mannheim 1993) 292 f.

Literatur:

  • F. Kretzschmer, Hypokausten. Saalburg-Jahrbuch 12, 1953, 7 ff.
  • J.-P. Adam, La construction romaine: matériaux et techniques (Paris 1984¹, 1989²).
  • W. Drack, Zu einigen besonderen Konstruktionen an römischen Hypokaustanlagen in der Schweiz, in: F. E. Koenig - S. Rebetez (Hrsg.), Arculiana. Recueil d'hommages offerts à Hans Bögli (Avenches 1995) 275 ff.
  • E. Brödner, Die römischen Thermen und das antike Badewesen: eine kulturhistorische Betrachtung (Darmstadt 1983).
  • H. Manderscheid, Römische Thermen. Aspekte von Architektur, Technik und Ausstattung, in: Frontinus-Gesellschaft (Hrsg.), Die Wasserversorgung antiker Städte. Geschichte der Wasserversorgung 3 (Mainz 1988) 97 ff.

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